Montag, 13. Dezember 2010

Wetten das ....?

Ich muss einfach mal meinem Ärger und meiner Erschütterung Luft machen. Ich bin immer wieder schockiert, wie dumm und herzlos Menschen sein können. 

Da schaut man nach Jahren der Abstinenz mal wieder Wetten das ...? und prompt gerade die Sendung mit dem furchtbaren Unfall. Die Reaktionen der Kameraleute, aller Beteiligten, waren super! Kein Draufhalten, keine Sensationsgier, wie sie bestimmt bei anderen Sendern zu sehen gewesen wäre. Abbruch der Show, obwohl so hochkarätige Gäste wie Cher und Take That auf ihre Auftritte warteten! Ein großes Lob an Thomas Gottschalk! 

Tja, man war geschockt und wollte natürlich wissen, was dem armen Jungen passiert war. Und man brauchte ja auch nicht lange zu warten. In den Tagen darauf konnte man Lesen und Hören wo man wollte, überall gab es neue Infos. So war man schnell aufgeklärt, dass Samuel Koch sich sehr schwer verletzt hatte. Dramatisch wurde davon gesprochen, dass der junge Mann im künstlichen Koma läge. Er wäre Notoperiert worden. Das viel zitierte künstliche Koma ist nun nichts dramatisches, sondern eine gängige Methode, einen schwersverletzten Körper in ein Stadium völliger Entspannung zu bringen, damit die körpereigenen Heilkräfte sich ohne weiteren Stress von außen dem Heilungsprozess widmen können. Es hieß, die Ärzte hätten beschlossen, ihn aus der Langzeitnarkose zu wecken, dies würde bis zu 3 Tage in Anspruch nehmen. Abends am selben Tag hieß es dann, er wäre wach und orientiert. Eine weitere Operation wurde vorgenommen und erstmals hieß es offiziell, eine dauerhafte Lähmung würde zurück bleiben. Einfach nur entsetzlich, wegen einer blöden Wette einen solchen Preis zahlen zu müssen!

Plötzlich meldeten sich überall irgendwelche Leute, die behaupteten, Samuel zu kennen und die ihren Senf unbedingt dazu geben mussten. Da hieß es, er wäre ja schon immer viel zu risikofreudig gewesen, und viel Schwachsinn mehr. Das ZDF und Thomas Gottschalk wurden immer wieder übel angegriffen. Viel zu riskante Wetten blahblah, nur wegen der Einschaltquoten blahblah, nicht genügend Sicherheitsvorkehrungen blahblah und vieles mehr. Dazu muss man einfach mal konsequent folgendes sagen: Die Wettkandidaten melden sich beim ZDF und unterbreiten ihre Vorschläge! Da schleicht kein Mitarbeiter des Senders nachts mit einem geladenen Revolver durch Deutschland und zwingt unschuldige Menschen, in Wetten das ...? Kopf und Kragen zu riskieren! Die Kandidaten denken sich ihre Wetten selbst aus, nur sie sind dafür verantwortlich! 

Noch viel schlimmer als diese Angriffe auf den Sender sind jedoch all die kaltherzigen Menschen, die beispielsweise auf Yahoo! Deutschland TV ihre vollkommen unpassenden Kommentare hinterlassen! Zitat: Da stellt sich für mich die Frage ob es sich lohnt mit allen Mitteln...höher, weiter, schneller...unbedingt in den Focus zukommen. Traurig...aber selber Schuld! oder Zitat: so ein voll trottel selber schuld ....so dumm kann man nicht sein mit 23 oder ich war es jedenfalls nicht und habe auch kein mitleid oder auch Zitat: 
Kein Mitleid für so einen, der nun auch noch eine Vorzugsbehandlung kriegt. Ich fasse wirklich nicht, was in solchen Menschen vor sich geht, die so wenig Mitgefühl und Menschlichkeit aufbringen. Das sind für mich genau die Menschen, die schon bei jeder Kleinigkeit ihrer gesamten Umwelt mit ihrem Geheule auf die Nerven fallen! Egozentrisch bis zum Erbrechen!

Es mag als Widerspruch in sich erscheinen, dass ich einerseits sage, Samuel hat selbst Schuld an seinem Unfall, andererseits aber die Typen verabscheue, die bar jeder Empathie solchen Kommentare hinterlassen. Doch das ist es nicht. Natürlich hat der junge Mann selbst Schuld. Aber das schließt doch nicht aus, dass man unglaublich betroffen davon sein kann, dass ein so junger Mensch möglicherweise den Rest seines Lebens gelähmt sein wird. Was muss in dem Jungen vor gegangen sein, als er im Krankenhaus aufwachte und erfuhr, dass er sich vermutlich nie wieder auf eigenen Beinen wird bewegen können? Vielleicht nicht einmal die Arme wirklich wird bewegen können? Darüber denken die Verfasser solcher Kommentare vermutlich nicht nach. 

Ich jedenfalls wünsche Samuel Koch alles nur erdenklich Gute! Mögen alle Ärzte sich irren und möge die Familie Koch gemeinsam die Kraft aufbringen, diese entsetzliche Zeit zu überstehen! Von ganzem Herzen gute Besserung!




Mittwoch, 1. Dezember 2010

Was für ein Abend!

Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass 10 Jahre auch nicht an Superstars vorbei gehen. Nicht nur Otto Normal Verbraucher werden älter! 

Der Abend begann mit ein wenig schlechter Laune, da in unserer Firma derzeit ziemlicher Stress herrscht. Männe war genervt, ich war genervt, eigentlich keine guten Voraussetzungen. Wir haben uns um kurz vor 7 Uhr ins Auto gesetzt und sind die paar Meter zur O2 World gefahren. Parkplatz war um die Zeit kein Problem. 4 Euro ... Wir folgten den Massen zum Eingang, wo wir bereits durch sortiert wurden. Innenraumplätze nach unten, Tribünenplätze nach oben. Gute Organisation! Wir gehörten zu denen, die Innneraumplätze hatten. Also verschwanden wir mit all den anderen Innenraumbesuchern eine Treppe hinunter. Hier staute es sich heftig. Eine nette, blonde junge Frau rief in die wartenden Menschen, ob O2 Kunden dabei wären. Diese wurden aus der Warteschlange geholt und durften wie First Class Passagiere auf dem Flughafen einen gesonderten Eingang benutzen. Nun gut, damit hatte ich kein Problem.

Wir wunderten uns ein wenig, warum es so extrem langsam weiter ging. Als wir uns dem Eingang näherten sahen wir, warum! Zwei Gatter, vielleicht 1,50 m lang und so schmal, dass die körperlich ausgeprägteren Besucher sich besorgt fragten, ob sie überhaupt da durch passen würden, oder ob sie wie Korken in der Flasche stecken bleiben würden, waren hier montiert. Jeder musste da durch. Wie Vieh auf einer Verladerampe! Am Ende dieser Gatter warteten ein männlicher und eine weibliche Angestellte und nahmen bei jedem einzelnen Besucher eine Leibesvisitation durch! Arme ausgestreckt, am Körper hinunter, an den Beinen entlang! Ich dachte, ich bin im falschen Film, wirklich! Die Damen mit Handtaschen durften diese öffnen und deren Inhalte wurden ebenfalls genau unter die Lupe genommen. Ähm ...
Nun kann man zu Recht sagen, die Anschlagsgefahr ist groß, aber eine 75 jährige an zwei Krücken ist nicht gerade die typische Terroristin, die zu einer solchen Veranstaltung eine Bombe mit bringt! Ich war angepisst, um es mal ganz vulgär auszudrücken! Ich mag es gar nicht, von wildfremden Menschen betatscht zu werden, ich hasse es sogar! Am Flughafen mit diesen Metalldetektoren abgescannt zu werden ist eine Sache. Auf einer solchen Veranstaltung von irgendwelchen grinsenden 20jährigen körperlich berührt zu werden ist eine andere Sache! Aber nun waren wir wenigstens erst einmal in der Halle.

Unsere Plätze zu finden war kein Problem, da auch in der Halle jede Menge Personal hilfreich und freundlich zur Verfügung stand. Der nächste Schreck kam dann, als wir die Stühle sahen, die man hier aufgebaut hatte. Einfache, recht schmale Metallstühle mit einer Sitzmulde, in die ein vielleicht 3 cm dickes Kissen eingelassen war. Mal ganz abgesehen von dem wirklich sehr kuscheligen Körperkontakt mit den rechts und links sitzenden Besuchern waren diese Stühle eine Frechheit! Wer mehr als 40 Kilo wog spürte nach 3 Minuten den Metallrand der Sitzmulde, der sich schmerzhaft in die Beine zu drücken begann. Am Hinterteil pressen sich die Metallstreben der Rückenlehne nach spätestens 5 Minuten schmerzhaft in das Fleisch. Und es ist nicht etwa so, dass die Innenraumkarten 10 Euro gekostet hätten, was eine solch primitive Sitzgelegenheit gerechtfertigt hätte. Wir saßen im dritten Block von der Bühne aus gesehen, was ungefähr auf der Hälfte der Innenraumfläche bedeutete. Also nicht gerade dich an der Bühne. Und unsere Karten hatten je 84 Euro gekostet! Weiter vorne, das bekamen wir mit, lagen die Preise bei 130 Euro! Für solche Preise könnte man doch eine etwas komfortablere Sitzgelegenheit erwarten, oder?

Als es dann mit einer Verspätung von fast 20 Minuten los ging, wurden wir auf einen weiteren eklatanten Fehler der Sitzmöglichkeit aufmerksam! Man konnte kaum auf die Bühne gucken! Links und rechts derselben waren große Leinwände angebracht, auf diesen konnte man nun mehr oder weniger gut verfolgen, was sich auf der Bühne abspielte. Da es der Entscheidung der Kameraleute oblag, was gerade gezeigt wurde, starrten wir auch schon einmal 2 Minuten lang verblüfft auf eine brennende Fackel ... Ähm ...

Was sich nicht geändert hatte war die Tatsache, dass kaum, dass Michael Flatley die Bühne betrat, die ca. 14.500 Zuschauer aufsprangen und Klatschten, Pfiffen, Jubelten! Was muss das für den Künstler bedeuten, wenn man eine solch überwältigende Begeisterung hervor ruft? 14.500 Menschen, die vom Alter her so zwischen 15 und 85 lagen, standen und Gröhlten und Johlten vor Begeisterung! Es ist unglaublich! Gänsehauterzeugend! 

Zu Michael Flatley selber: Man merkt ihm die 10 Jahre mehr an, soviel ist sicher. In Hannover hatte man das Gefühl, er wäre der Schwerkraft entledigt, der Mann schwebte 2 cm über dem Boden. Er bewegte sich mit der Geschmeidigkeit einer Raubkatze. Heute muss er hart Arbeiten. Oh, er kann es noch, soviel ist sicher. Doch heute schweben die anderen, er muss wirklich hart Arbeiten. Und das machte er gut. Groß etwas geändert wurde an der Geschichte nicht. Die Kostüme sind etwas moderner geworden, hautenge Trikos, viel Glitter. Flatleys Kostüme sind dafür etwas weniger eng, da er auch an Gewicht zugelegt hat. 

Fazit des Abends: Es hat Spaß gemacht, den großen Michael Flatley noch einmal live zu Erleben. Das drum herum war ... nervig, um es einmal wohlwollend auszudrücken. Wenn es das ist, was in Zukunft dem Besuch eines Konzertes oder einer anderen Großveranstaltung, egal, welcher Art, voraus geht, hat sich dieses Thema für mich wohl erledigt. Ich bin nicht willens, mich einer solchen Behandlung zu unterwerfen, da bleibe ich lieber zuhause. Möge man mich für meine Meinung beschränkt oder verblödet Schimpfen, doch dazu stehe ich! Ich bin nicht Willens, mich für eine Veranstalung solcher Art wie eine Verbrecherin im Knast abtasten zu lassen!